Die Argolis - Wiege der europäischen Zivilisation

Klangvolle Namen wie Mykene, Epidavros, Tyrintha, Assini, Lerna - Sie müssen kein schlechtes Gewissen haben, wenn Sie die Daten vom Peloponnesischen Krieg vergessen haben. Wird nicht abgefragt. Jeder Stein in der Argolis könnte Geschichte und Geschichten erzählen. Die alten Griechen, Römer, Byzantiner, Venezianer, Franken, Türken, Bayern haben hier ihre Spuren hinterlassen. Und natürlich ist da Nafplio (oder auch Nauplia oder Nafplion), das - wenn auch erst viel später - von sich reden machte, als es die erste Hauptstadt des neuen Griechenlands wurde. König Otto I. aus Bayern regierte hier.
Zum Glück ist die Argolis bisher vom Massentourismus verschont geblieben, was uns nicht hindern soll, interessierte Menschen hierher zu locken. Die Autoren dieser Seite haben sich jedenfalls diese Gegend Griechenlands zum zweiten Wohnsitz auserkoren und möchten andere an dieser Freude teilhaben lassen. Lassen Sie sich inspirieren, und falls wir Ihre Neugier geweckt haben, sind wir Ihnen gern bei der Organisation Ihres Urlaubs behilflich. Vielleicht wollen Sie ja auch hier ein Haus bauen!? Auch dann haben wir viele nützliche Tipps für Sie.
Die Altstadt von Nafplio mit der venezianischen Festung Acronafplia - verschönt" durch ein Hotel 
Treppen sind charakteristisch für die Altstadt von Nafplio
Orangenplantagen sind in der Argolis allgegenwärtig. Und das, obwohl die Land-schaft seit Jahrhunderten als eher trocken gilt. Alles muss ständig bewässert werden. Aber woher das Wasser nehmen?! Ein deutscher Ingenieur hatte in den 50er Jahren die Idee, eine Süßwasserquelle im Meer zu erschließen...
Die Festung Bourtzi vor dem Hafen von Nafplio. Hier - so sagt die Überlieferung - waltete der Henker seines Amtes.. Heute streiten sich die Ämter, wem die Bourtzi gehört. Bis vor etwa 10 Jahren gab es dort ein nettes Café, heute kann man zwar noch per Boot hinüber fahren, muss aber seinen Kaffee selbst mit nehmen.  
 
Große Kreuzfahrtschiffe müssen vor Nafplio auf Reede liegen, weil der Hafen zu flach ist. Ein Schelm, wer bei diesem Fotos Arges denkt und meint, Touristen seien hier nicht willkommen....
  1000jährige Olivenbäume sind keine Seltenheit. Siehe auch "Olivenernte"  
Byzantinische Kirche von 1209 in Ligourio
 
Für Fans noch ein bisschen Lesestoff:  

Der Urlaubstip:
Erholung pur in immergrüner Argolis

Es hat der Argolis eigentlich ganz gut getan, dass sie vom Massentourismus bisher beinahe verschont blieb. Von den Dutzenden Bussen einmal abgesehen, die täglich in der Saison, gefüllt mit wissensdurstigen Urlaubern, die Landschaft eigentlich nur zum Transit nutzen, um durch die Wiege der europäischen Zivilisation zu eilen: vom historieträchtigen Mykene, das einst Heinrich Schliemann ausbuddelte, über die Festung Tyrins nach Epidavros, dem imposanten Amphitheater, das noch heute bei alljährlichen Theaterfestspielen im Sommer bis zu 12 000 Zuschauern Platz bietet. Daneben nimmt man noch schnell staunend das weitläufige Areal des Äskulaptempels mit, dabei nicht erfahrend, dass der Hochverehrte eigentlich ein rechter Scharlatan war und dass die ganze Anlage neuzeitlicher Kur-Industrie mit angegliedertem Amüsierbetrieb nicht ganz unähnlich war.
Nafplio hingegen, 1824-34 die erste griechische Hauptstadt nach der Befreiung vom osmanischen Joch, in der der Bajuware Otto I. das Zepter schwang, kann sich glücklich schätzen, wenn sich einige wenige der Busladungen in die Stadt verirren, denn die anderen werden an einer dieser Touristen-Boulettenschmieden zur Massenspeisung abgekippt. Verkehrte Welt. Hätte doch das verträumte Argolis-Kreisstädtchen ein wenig mehr Beachtung und Ehrerbietung verdient, zumal es hier auch die weitaus besseren Tavernen gibt. Nafplio oder auch Nafplion oder altgriechisch Nauplia ist eine Stadt mit langer Geschichte. Immer wieder ist es Spielball der Mächte gewesen, wechselten doch die Herrscher ziemlich häufig: Griechen, Dorer, Römer, Byzantiner, Kreuzritter, Venezianer, Franken, Türken, noch einmal Venezianer, anschließend wieder ziemlich lange die Türken und schließlich und endlich die Griechen. Und jeder hinterließ auf seine Weise Spuren in der Stadt, indem er Bauten errichten oder die der Vorgänger zerstören ließ oder auch beides tat. Geblieben ist eine zauberhafte alte Stadt mit liebevoll restaurierten Bürgerhäusern, einer venezianischen Kaserne, die als Museum dient, alten Moscheen, von denen eine als Kirche umfunktioniert, die andere vor fast 180 Jahren das erste griechische Parlament beherbergte und eine dritte ist heute das Theater. Auf dem zentralen Platz fühlt man sich zurückversetzt in die Vergangenheit. Sehenswert seine geradezu üppige Ausstattung mit Marmor, von den Kindern allabendlich als Spielplatz in Besitz genommen. Ja, und dann die schon erwähnten Tavernen. Es mögen an die 50 sein. Der Autor - immer getreu dem alten Rat eines griechischen Freundes folgend, nur Tavernen zu besuchen, die auch häufig von Einheimischen frequentiert werden - hat mit Mühe bisher ca. 25 geschafft. Am Wochenende sind sie alle voll, meist von Athener Kurzurlaubern. Und über allem thront - allabendlich festlich illuminiert - die Festung Palamidi (siehe auch Sehenswürdigkeiten). Steht man zu Vollmond am Hafen und blickt nach oben, hat es den Anschein, als setze ein überdimensionales Raumschiff zur Landung an. Im Rücken die kleine Festung Bourtzi; wie ein steinernes Schiff liegt sie vor der Hafeneinfahrt. Dort arbeitete einst der Henker...
Für den sonnenhungrigen Badefreund bietet die Umgebung reichlich schöne, mitunter fast menschenleere Strände. Zur Auswahl stehen der städtische Badestrand von Arvanitia, die Bucht von Karathona, die Sandstrände von Tolo oder Drepano/Plaka, letztere mit guten Campingplätzen, davon einige mit sehr guten sanitären Einrichtungen. Besonders Karathona lohnt einen Besuch. Hier hatten nämlich während der Militärdiktatur die Obristen Großes vor. Zunächst sollte ein großer Flottenstützpunkt gebaut werden. Als das nicht realisierbar war, sollte daraus ein riesiger Touristenkomplex entstehen. Eine großzügige Straße wurde fertiggestellt, Eukalyptusbäume und Palmen gepflanzt. Richtig gebaut wurde jedoch bis auf ein paar Fundamente nie. So findet heute jeder am langen Sandstrand einen Schattenplatz unter Bäumen. Während für die Griechen die Badesaison spätestens Mitte September beendet ist, kann der abgehärtete Mitteleuropäer noch im November bei Wassertemperaturen um die 22 Grad schwimmen, selbst im Januar ist das Meer selten kälter als 17 Grad. Und zu sehen gibt es rundum in der Argolis eigentlich immer etwas. Die historischen Stätten sind ganzjährig geöffnet, und es ist schon wesentlich angenehmer, bei 20 Grad über die steilen Felstreppen von Mykene oder der Palamidi zu stapfen als bei 38 Grad im August! Insgesamt bietet die Argolis wirklich viel zum Entdecken. Die Stadt Nafplio und die umliegenden Dörfer haben gute Übernachtungsmöglichkeiten. Die immergrüne Argolis mit ihren endlosen Orangenplantagen und Olivenhainen lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein, eignet sich aber auch gut als Ausgangspunkt für Entdeckungsreisen über den östlichen und zentralen Peloponnes. Das Klima ist wesentlich angenehmer als beispielsweise auf den Inseln in der zentralen Ägäis. Nicht umsonst haben sich in den letzten Jahren viele Ausländer - darunter auch zahlreiche Deutsche - die Gegend entweder als Feriendomizil oder als Altersruhesitz auserwählt. Der Autor eingeschlossen.
© Wilfried Jakisch

(Nachdruck ausdrücklich erwünscht, aber bitte mit Genehmigung des Autors) Zurück zur Startseite