Das wohl gigantischste Rennen Europas führt über 246 km von
Athen nach Sparti. Pheidipididis - der legendäre
Nachrichtenüberbringer der Antike - soll 490 v.u.Z. diese Strecke
in 36 Stunden bewältigt haben. Britische Luftwaffenoffiziere
wollten den Wahrheitsgehalt dieser Überlieferung bestätigen.
Und sie taten es so überzeugend, dass der Spartathlon in diesem
Jahr nun schon zum 29. Mal stattfand. Diesmal mit 370 Startern!
Der Streckenrekord steht übrigens bei 20 Stunden und 25
Minuten - Unglaublich!
Dabei sind die Regeln brutal. Teilnehmen darf nur, wer
mindestens einen erfolgreich überstandenen 100 km-Lauf
nachweisen kann. Wer die 36 Stunden überschreitet, fällt
automatisch aus der Wertung heraus, darf aber im nächsten Jahr
wieder teilnehmen.
Malandreni ist ein bekanntes
Weindorf im Norden der Argolis.
Der Spartathlon ist hier in jedem
Jahr ein großes Ereignis.
Volksfestcharakter!
Verpflegungspakete stehen bereit.
Die Organisatoren hatten allerdings nicht
mit dem Tempo der Aktiven gerechnet.
Ivan Cudin, der führende Italiener,
erreichte Malandreni bereits um 18.50 Uhr,
noch bevor die gebackenen Schweine in
Stellung gebracht waren. Cudin - der
spätere Sieger - hatte hier bereits 40
Minuten Vorsprung vor dem Zweiten und
eine ganze Stunde vor dem
Drittplatzierten! Und präsentierte sich in
einem überaus frischen Zustand, hatte Zeit
für Interviews zwischendurch, gönnte sich
eine ausgiebige Pause am “kalten Buffet”,
ließ sich von seiner Freundin Michela ein
neues Trikot überstreifen - Vorbereitungen
für die Nacht und den bevorstehenden
steilen Anstieg.
Yuji Sakaj, der beste Japaner, erreichte Malandreni um 19.30 Uhr auch er machte einen sehr starken Eindruck, behielt seine Position bis zum Ende, auch
wenn er am Ziel fast 90 Minuten Rückstand auf den Sieger Cudin haben sollte.
Markus Thalmann (links), der starke Östereicher, einer der
erfolgreichsten Teilnehmer der letzten Jahre: Sieger 2003,
Zweiter in den Jahren 2002, 2004 und 2008, kam als Dritter in
Malandreni an, fiel dann aber leider bis ins Ziel auf Platz acht
zurück. Macht nichts Markus, auch das ist eine Riesenleistung!
Übrigens: Dr. Markus Thalmann ist im Hauptberuf ein
erfolgreicher Herzchirurg in Wien. Vermutlich hat er mit dem
Laufen bessere Behandlungsmethoden entdeckt, als er täglich
mit dem Skalpell ausführen muss.
Kurze Verschaufpause, Kopflampe auf und ab in die Nacht!
Oshima Yasutoshi kam als Vierter in Malandreni an, fiel dann später auf Platz 6 zurück. Er nahm sich hier sogar die Zeit, sich von einer japanischen
Betreuerin eine Nudelmahlzeit zubereiten zu lassen - natürlich stilgerecht mit Stäbchen!
Michael Vanicek, der Extremläufer aus Hohen Neuendorf bei Berlin, war in Malandreni noch Fünfter, im Ziel Dritter! Bravon Vanni! Auf meine Frage, ob
man denn nicht doch ein kleines bisschen verrückt sein muss, um diesen Lauf überhaupt anzugehen, antwortete er: “Was heißt hier ein kleines
Bisschen, wir haben doch eine totale Klatsche!” Rückstand auf den späteren Sieger in Malandreni waren 90 Minuten, im Ziel knapp 120. Trotzdem ein
tolles Ergebnis!
Falscher Beutel heißt wohl
diese Geste vom Deutschen
Oliver Leu. Er belegte in der
Endabrechnung Platz 10.
(Linkes Bild)
Tetsuo Kiso (rechts) , einer
von den über 60 Japanern,
hatte es eilig. Er rannte
gleich weiter. Im Ziel
erreichte er Platz 7.
Jorgos Vlachos (links), der
Lokalmatador aus Argos, von
seinen Fans besonders
gefeiert, war in Malandreni
noch auf Platz 8, im Ziel
dann nur noch 23. Vielleicht
hat er sich doch zu viel Zeit
für Erinnerungsfotos
genommen...
Ein Video von Jorgos hibt es
bei you tube.
Daniel Oralek aus der
Tschechischen Republik - in
Malandreni noch auf Platz
neun, am Ende wurde er
Fünfter!
Die totale Überraschung in
Malandreni: Szilvia Lubics aus
Ungarn liegt hier auf Platz zehn, im
Ziel auf 14. Soweit ist eine Frau
selten in die Domäne der Männer
“eingebrochen”.
Dietmar Göbel aus Deutschland
wurde in der Endabrechnung 10.
Patrick Hösl liegt in
Malandreni komplett im
Plan. Noch auf Platz 14. Er
ist voll konzentriert, stoppt
die Zeit. Im Ziel wird er
nach einer unglaublichen
Steigerung Vierter sein!
Stefan Thoms aus Woltersdorf bei
Berlin ist in Malandreni noch auf
Platz 15. Eine starke Aufholjagd
bringt ihn im Ziel auf Platz 9...
...vielleicht auch dank der liebevollen Betreuung durch seine Frau Sandra
und die gleichnamige Freundin der beiden, die sich die Nacht um die Ohren
schlagen, um Stefan bei Laune zu halten.
Das Weindorf Malandreni wird in dieser Nacht erst spät seine
Ruhe finden. Offiziell schließt der Kontrollpunkt um 1.50 Uhr,
aber man lässt immer ein bisschen Toleranz für alle diejenigen,
die im nächsten Jahr besser sein wollen...
Bis zum 30. Spartathlon - 2012 - wie immer am letzten Freitag im September!
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Infos über den Spartathlon 2008 auf dieser Seite.