Wer kennt sie nicht, die berühmte „Venus von Milo“, die eigentlich Aphrodite von Milos heißen müsste. Milos ist eine der attraktivsten Inseln in der zentralen Ägäis. Eine große Bucht teilt sie gewissermaßen in zwei Hälften – den besiedelten östlichen Teil und den nahezu menschenleeren westlichen. Durch seinen vulkanischen Ursprung bietet Milos unglaublich schöne Strände und grandiose geologische Strukturen, die – wenn sie einmal aufgerissen (wie vielfach durch den Bergbau geschehen) – atemberaubende Aussichten bieten. Adámantas, der Ort, wo die Schiffe anlegen, ist nur vier km vom Flughafen entfernt, empfiehlt sich als Ausgangspunkt für Touren, von denen man auch einige mit dem Inselbus gut und preiswert erledigen kann. Höchstpreis 1.90 pro Person für die längste Strecke. Milos ist aber sozusagen nur zur Hälfte mit dem Bus erschlossen, den westlichen Teil muss man mit dem Mietauto erfahren, aber auch das ist kein Problem, bekommt man im Winter schon ab 20 Euro pro Tag, bei längerfristiger Miete auch noch günstiger. In den Katakomben von Tripití Wir nehmen den Bus nach Tripití, um die berühmten Katakomben zu besichtigen. Die Beschilderung könnte durchaus ein wenig dichter sein, wir fanden es trotzdem. Die historische Begräbnisstätte aus frühchristlicher Zeit (Jesus war gerade erst gestorben!) zählt zu den bedeutendsten ihrer Art überhaupt, verrät sie doch durch die Anlage und vor allem durch Wandmalereien vieles über die Menschen im ersten Jahrhundert, als es noch tödlich war, dem Christentum öffentlich anzuhängen. Demzufolge mussten die ersten Christen sich auch bei der Bestattung ihrer Toten etwas einfallen lassen. Die Katakomben wurden zuerst 1840 vom deutschen Archäologen Ludwig Ross erforscht. Leider waren Grabräuber schneller als er, dennoch wurden noch einige interessante Exponate geborgen. Etwa 200 Meter der unterirdischen Gänge sind freigelegt, 126 Grabgewölbe bisher gefunden. Das weiche Gestein erlaubte eine problemlose Vergrößerung, ohne dass Einsturzgefahr bestand. Diese Tatsache macht man sich auch  heutzutage auf Milos allerorten immer noch zu Nutze, indem mal einfach „Garagen“ oder Bootsschuppen in den Fels geschlagen werden. Die Stätte ist eindrucksvoll präsentiert, dezente Beleuchtung schafft eine stilvolle Atmosphäre ohne morbiden Beigeschmack. Sehenswert! Gleich nebenan -  sozusagen im Vorbeigehen - kann man gleich noch ein antikes römisches Theater besichtigen, allerdings nur von außen, weil es momentan einer umfassenden Restaurierung unterzogen wird. Die „Venus von Milo“ - leider nur in Gips Im archäologischen Museum von Milos empfängt leider nur eine Gipskopie der berühmten „Venus“, die griechisch eigentlich „Aphrodite“ heißen muss. Der Eintritt ist frei, weil das Museum etwas „unaufgeräumt“ sei – so die Erklärung der Damen. Scherben, nichts als Scherben! Falls es nicht gelingt, 3-D-Scanner und die dazu notwendigen Computerprogramme anzuschaffen, werden wohl gestandene Archäologen über ihren Lebensabend hinaus damit zu tun haben, antike Gefäße zu rekonstruieren, Puzzle für Leute mit räumlichem Vorstellungsvermögen! Die „Venus“ wurde 1820 nur wenige hundert Meter von den Katakomben entfernt von einem Bauern entdeckt. Franzosen schwatzten sie ihm für ein Trinkgeld ab und brachten sie nach Paris. König Ludwig der XVIII. schenkte sie dem Louvre. Das Museum hat eine bemerkenswerte Sammlung von schönen Kleinkeramiken. Darunter befinden sich viele Stücke aus der antiken Stadt Philakopi, aber auch aus den Katakomben. Das Museum ist täglich außer Montag geöffnet. Bergbau mit Tradition seit 10.000 Jahren Schon beim Landeanflug auf Milos fallen vieleTagebaue auf, in denen die verschiedensten Mineralien abgebaut werden bzw. wurden. Die meisten sind stillgelegt, weil sich der Abbau nicht mehr lohnt oder die Vorräte zur Neige gingen. Geblieben sind tiefe Wunden in der Landschaft, die in allen Farben strahlen, einige scheinen regelrecht zu bluten, so knallig ist das Rot. Hier wurden seit vielen tausend Jahren Bodenschätze abgebaut, darunter auch Gold und Schwefel, die Milos immer einen bescheidenen Reichtum sicherten. Besonders wertvoll war Obsidian, der tiefschwarze, in der Steinzeit härteste bekannte Stein, den man für Werkzeuge, Pfeilspitzen usw. verwendete. Obsidian gab es im Mittelmeerraum nur auf Milos, Gyali und Sizilien. Klar, dass sich daraus schon in frühester Zeit ein schwunghafter Handel entwickelte. Der Bergbau auf der Insel hat in den vergangenen Jahren eine gewisse Renaissance erlebt. Es werden wieder in größerem Stil Minerialien abgebaut, aufbereitet und exportiert. Bei Bentonit, Quarz und Perlit gehört Milos sogar zu den größten Produzenten in der ganzen Europäischen Union. Auf jeder Fahrt über die Insel kann man immer aufs neue attraktive alte Gruben entdecken. Die meisten von ihnen sind nur wenig oder gar nicht gesichert, es empfiehlt sich daher, den teils recht brüchigen Kanten nicht zu nahe zu treten. Relativ sicher, wenngleich auf ziemlich holpriger Piste, kommt man zur alten Schwefelgrube, der „Thiorichía“. Sie liegt im südöstlichen Teil der Insel. Hier wurde bis 1952 Schwefel abgebaut. An den alten Schwefelöfen kann man noch kleine Bröckchen reinsten Schwefels finden. Die Anlagen und die alten Stolleneingänge sind gesprengt, hunderte Tonnen rostigen Stahlschrotts liegen umher – Fotomotive, wohin man blickt! Viel über die Geschichte des Bergbaus erfährt man im Bergbaumuseum in Adámantas. Ein Dokumentarfilm erzählt von den schwierigen Bedingungen. Das Bergbaumuseum ist auch in dieser Hinsicht eine richtige Entdeckung! Auf drei Etagen ist es professionell gestaltet und sehr informativ. Man erfährt nicht nur vieles über die Geschichte und den modernen Bergbau auf Milos, auch eine umfangreiche Ausstellung von sehr schönen Kristallen aller Art lockt die Besucher an. Für den Besuch des Museums sollte man schon etwa eine Stunde Zeit einplanen. Tavernenwirt und Fotograf Wenn wir in Griechenland unterwegs sind, interessieren uns immer besonders Tavernen mit traditioneller Live-Musik. Wir bekamen einen heißen Tipp: Livemusik gibt es im Winter nur im „Pipéri“ in Pollónia. Hier überrascht uns der Wirt, Jorgos Kalogeropoulos, mit der Mitteilung, dass er nebenbei ein bisschen fotografiert. Das „Bisschen“ entpuppt sich als professionelle Fotokunst, die er bereits auf zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland präsentierte. Die nächste Ausstellung wird übrigens im April in Berlin sein. Die Live-Musik war prima, auch wenn die Bouzouki an diesem Abend ausfiel und durch  Akkordeon ersetzt wurde. Esssen: gediegen und einfallsreich mit moderatem Musikaufschlag: ein Fleischgericht mit Kartoffeln, ein Salat, Blätterteigpasteten und 1 Liter Wein – 25 Euro. Guten Fisch findet man in Pollónia in der Taverne „Kapetán Nikólas“ direkt am Hafen. Bodenständige Küche, normale Preise, nur: gute Fische sind auf Milos recht teuer. Am besten vorher die Kilo-Preise erfragen, um Überraschungen zu vermeiden. Eins darf man jedoch auf Milos im Winter um die Mittagszeit nicht kriegen: Hunger. Die meisten Tavernen öffnen – wenn überhaupt – erst am Abend. Unterhalb der alten Burg am Hauptort Plaka (die an sich nichts Bedeutendes darstellt, aber einen sensationellen Ausblick bietet) fanden wir jedoch das Mezedopoleion „O Fóras“ von Nikos und Jana, das weit mehr anbietet, als man sich normalerweise unter einem  Mezedopoleion vorstellt. Es gibt neben dem üblichen Grillfleisch Fava - ein Pürree aus Kichererbsen, Briam - eine bunte Gemüsepfanne, Auberginen im Ofen und eine ganz leckere Bohnensuppe, die überraschenderweise mit Reisnudeln gemacht ist. Und die Preise sind durchaus volkstümlich zu nennen. Infos zu Milos: Insel Milos – die südlichste der westlichen Kykladenreihe – ist von Piräus fast täglich in ca. sieben Stunden – mit den Schnellfähren in drei bis vier Stunden errreichbar. Mit dem Flugzeug - im Winter einmal pro Tag, im Sommer bis zu drei Verbindungen täglich – etwa 35 Minuten. Die Insel mit den Ausmaßen Breite ca. 22 km – Nord-Süd-Ausdehnung ca. 12 km hat knapp 5000  Einwohner. Das sind bei einer Fläche von 160 km² nur etwa 30 pro Quadratkilometer. Einige Bergbauunternehmen, die u. a. Perlit, Bentonit, Baryt, Quarz und andere Mineralien fördern, bilden das wirtschaftliche Rückgrat der Insel. Fischerei und Viehzucht spielen eine eher untergeordnete Rolle. Wichtigster Wirtschaftszweig dürfte jedoch mittlerweile der Tourismus sein, auch wenn sich das bisher auf wenige Monate konzentriert. Traumhafte Strände, attraktive Buchten locken im Sommer zigtausende Touristen hierher. Viele Infos und Fotos auf dieser Seite in fünf Sprachen: www.milos- island.gr/ Öffnungszeiten wichtiger Sehenswürdigkeiten: Katakomben von Tripití: täglich außer Montag von 9 bis 15 Uhr, Tel. 22870 21071, Eintritt: Erwachsene 3 Euro, ermäßigt 2 Euro. Archäologisches Museum in Plaka: Täglich außer Montag von 9 bis 15 Uhr, Tel. 22870 28026 Bergbaumuseum in Adámantas: November bis März nur Sa. von 10.00 bis 13.00, April bis Oktober täglich außer Montag von 10 bis 14 Uhr, Mai bis September, auch von 17.30 bis 22.00 Uhr geöffnet. Tel. 22870 22481, der Eintritt ist frei. Unterkünfte auf Milos sind im Moment sehr preisgünstig zu haben. Allein bei booking.com fanden wir nicht weniger als 66 Angebote, die günstigsten ab 25 Euro pro Nacht. Wir entschieden uns für „Milos-Rooms“, eine kleine Pension der Familie Vamvakaris in Adámantas nur 300 Meter vom Meer mit netten Vermietern und sehr ordentlicher Ausstattung.
Die berühmte "Venus von Milo" In den Katakomben von Tripiti Praktische "Eigenbau-Garage" für den Traktor Das antike römische Theater Das archäologische Museum hat eine schöne Sammlung von Kleinplastiken Tagebau bei Pollónia aus der Luft Kaum eine Farbe, die es auf Milos nicht gibt Bergbaumuseum in Adamantas Jorgos Kalogeropoulos - Tavernenwirt und Fotograf Fischtverne Kapetan Nikolas in Pollonia Leckere Auberginen und Bohnensuppe in Plaka Sonnenuntergang in Tripiti In Sarakiniko fühlt man sich in die Arktis versetzt
© Wilfried Jakisch 2013
Milos – die unglaublich bunte Insel