Theódoros Kolokotrónis
Griechenlands ewiger Held
Er schaut immer recht finster drein, ich habe noch niemals einen lächelnden
Kolokotronis gesehen. Keine größere Stadt ohne Kolokotronis-Denkmal, kein Dorf
ohne Kolkokotronis-Straße! Im Großraum Athen gibt es allein an die 20
Kolokotronis-Straßen. Da muss man schon genau wissen, wo man hin will. Wer
war dieser Mann, den eine ganze Nation seit
nunmehr fast 200 Jahren abgöttisch verehrt?
Theodoros Kolokotronis wurde 1770 in
Messenien auf dem Peloponnes geboren. Die
Familie siedelte kurz darauf nach Arkadien in
das Dörfchen Limbovisi um, wo der junge
Kolokotronis seine Kindheit verbrachte. Als sein
Vater und dessen beide Brüder 1780 von den
Türken ermordet wurden, waren die “normalen”
Jungenstreiche Theodoros vorbei. Er begann,
als Bandenführer mit jungen Leuten sich mit
den Besatzern, den Türken, anzulegen. Schon
bald wurde er landesweít steckbrieflich gesucht. Er
verdingte sich auf russischen Kriegsschiffen im
russisch-türkischen Krieg und ging später auf die Insel
Zakynthos, die unter englischer Verwaltung stand. Dort
meldete er sich zum Militärdienst und absolvierte eine
solide militärische Ausbildung, die ihn immerhin bis zum
Rang eines Brigadegenerals brachte. Mit diesen
Fähigkeiten avancierte er nach dem Ausbruch des
Befreiungskrieges am 25. März 1821 schnell zum
Oberkommandieren der Befreiungsarmee für den
Peloponnes (Morea). Man nannte ihn den “Alten von
Morea”. Kolokotronis schwebte wohl von Anfang an eine
Art Volksdemokratie für das befreite Griechenland vor -
anstelle einer von außen gesteuerten Monarchie. Seine
militärischen Erfolge jedoch und die damit erworbene
Popularität im Volk verhinderten, dass er abgesetzt
wurde. Allein der Sieg in der berühmten Schlacht von
Dervenakia, bei der Kolokotronis’ Truppen, die deutlich
in der Unterzahl waren, 30.000 Türken umgebracht
haben sollen, machten den Heerführer zur Legende.
Dennoch sperrte man Kolokotronis vier Monate auf der Insel Hydra ein, ließ ihn aber bald
wieder frei, weil ohne ihn kaum weitere Fortschritte gegen die Truppen Ibrahim Paschas
erzielt werden konnten. Als dann der junge König Otto in Nafplio eintraf, wurde
Kolokotronis, der sich zunächst für Otto engagiert hatte,
des “Hochverrats” für schuldig befunden und von einem
Gericht in Nafplio zum Tode verurteilt. Otto erkannte
glücklicherweise die Brisanz des Urteils und wandelte
es in eine zwanzigjährige Festungshaft um.
Kolokotronis verbrachte davon auf der Festung
Palamidi jedoch nur ein Jahr, bevor ihn König Otto
begnadigte. Der Ruhm des Helden war wohl doch zu
groß. Noch heute müssen alljährlich tausende
Schulklassen erfurchtsvoll in den finsteren Kerker
starren, in dem Kolokotronis schmachtete. 1843 starb
er in Athen, tragischerweise nur einen Tag nach der
Hochzeit seines Sohnes. Eine unübersehbare
Menschenmenge folgte seinem Sarg. Sein Portrait
zierte 17 Jahre lang die 5000-Drachmen-Banknote
Griechenlands, und es gibt heute wohl kaum einen Ort
in Griechenland ohne Kolokotronis-Straße,
Kolokotronis-Platz oder Kolokotronis-Denkmal. Sein
Portrait schmückt viele Museen. Das
 kunsthistorische
Museum in Levidi
hat etwas Besonderes zu bieten:
Kolokotronis Totenmaske und die gleich in zwei ausführungen. in Gips und in Messing.
© Wilfried Jakisch 2013
Geöffnet ist die Gedenkstätte Limbovisi von Oktober bis April von 11.00 bis 16.00 Uhr, und von Mai bis September von 10 bis 20.00 Uhr. Anreise: Von Tripoli über Kato Dhaviá. Straße nach Limbovisi ist ausgeschildert. Neuerdings ist sie komplett asphaltiertt. Man kann auch über Vitina fahren. Dort ist alles Asphalt. Aber Achtung, diese Straße führt über einen 1300 Meter hohen Pass! Dort ist nicht nur im Winter mit Schnee uns Eis zu rechnen! Direkt an der Gedenkstätte gibt es übrigens ein nettes Kafeneion. Die Jungs bereiten an kalten Tagen gern  einen leckeren Tsipouro mit Honig zu. Es gibt auch ein paar kleine Snacks. Geöffnet ist im Sommer jeden Tag so etwa ab 11 Uhr, im Winter nur am Wochenende. Fotos unten Tel.: 6972 449050 6973 000327