Gedenken in Agionori

 
Es fällt schwer, zu begreifen, was hier im August 1944 geschah: Griechen erschossen etwa 200 Griechen. Mitten im Kampf gegen die sich langsam zurückziehenden deutschen Okkupanten. Letztere hatten es durch eine infame Politik gewissermaßen in letzter Minute vor dem Verschwinden geschafft, die bürgerlich orientierte Wiederstandbewegung EDES auf ihre Seite zu ziehen und mit Waffen zu unterstützen. Dies fand durchaus Winston Churchills Beifall, dem die links gerichtete ELAS und ihre politische Organisation EAM längst ein Dorn im Auge war. Stalin seinerseits forderte von der griechischen KP einen radikalen Kampf bis zum endgültigen Sieg. Was nunmehr geschah, ist leider in Griechenland nie richtig aufgearbeitet worden. Verrat, Bespitzelung, Denunziantentum trennten Dörfer, sähten Zwietracht zwischen Familien. In dieser Situation kam es auch von Seiten der ELAS zu Übergriffen gegen die Zivilbevölkerung, die man verdächtigte, Verrat an der "gerechten" Sache geübt zu haben. Ob dies nun stimmte oder nicht.
 
Siebenjährige Kinder konnte man wohl kaum des Verrats bezichtigen, ebensowenig einen 80jährigen Greis. Leider finden sich in der Argolis kaum Darstellungen der Geschehnisse gegen Ende des Krieges in Griechenland. Es wird wohl höchste Zeit, dass man die letzten Zeugen von damals befragt, aber viele wollen darüber nicht reden. Noch immer geht mitten durch viele Dörfer ein unsichtbarer Riss. Familien reden seit 60 Jahren nicht miteinander, andere sind weggezogen, nach Korinth, nach Athen, untergetaucht in der Großstadt.
Viele sind gleich nach dem Krieg ausgewandert. Andere verließen das Land nach dem Bürgerkrieg, der mit unbeschreiblicher Brutalität von 1945 bis 1949 geführt wurde. Der Pferdefuß griechischer Politik ist es, dass es Politiker seit vielen Jahrzehnten immer wieder geschafft haben, in ständig wechselnden Regierungen immer wieder ein Pöstchen zu ergattern, anstatt im Gefängnis zu landen, Man ging zur Tagesordnung über, ohne dass jemals eine richtige Aufarbeitung der Geschichte passiert ist. Leider negiert auch die KP Griechenlands bis heute, dass es auch von ihrer Seite bzw. von Seiten der ELAS Übergriffe gegen Unschuldige gab. So traurig der Anlass in Agionori war, so wichtig ist es für die Geschichtsschreibung der Region, dass die Ereignisse von damals verarbeitet werden, auch wenn die Teilnehmer an solchen Gedenkveranstaltungen immer weniger werden.

Nur wenige Kilometer von Agionori entfernt, in Limnes, steht dieses Denkmal: Gewidmet den über 80 Opfern eines Massakers, das hier von deutschen Soldaten am 24. Mai 1944 verübt wurde. Meist waren soche Aktionen bemäntelt als "Vergeltungsaktion" für einen Angriff der Partisanen. Deutsche Truppen wagten sich kaum in die Berge, weil diese fest in der Hand der ELAS waren. Siehe dazu auch die Seiten über Kalavrita und Distomo.

Zwei Gedenkstätten in den Bergen. Sie erinnern an das Märtyrertum der Griechen in den Jahren von 1939 bis 1949. Letztlich ist es wohl fast egal, wer von wem umgebracht wurde, zu rechtfertigen ist ein keinem Falle.

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